Problemstutenmanagement

Als „Problemstute“ bezeichnet man eine „scheinbar“ gesunde Stute, die jedoch von einem bekannt fruchtbaren Hengst während drei oder mehr Rossen in einer Zuchtsaison nicht aufgenommen hat oder vergeblich über mehrere Jahre hintereinander von verschiedenen Hengsten güst geblieben ist.

Stuten mit „stiller“ Rosse, alte maiden Sport-Stuten sowie Stuten, die auf die Besamung mit einer starken Flüssigkeitsproduktion in der Gebärmutter reagieren, zählen auch zu dieser Kategorie.

Beim Problemstutenmanagement ist es wichtig, die gesamte reproduktive Vorgeschichte, aber auch sämtliche Vorerkrankungen und das bisherige Stutenmanagement zusammenzutragen. Alte Unterlagen mit Besamungsdaten, vorausgegangenen Behandlungen, Tupfer- und Biopsie-Ergebnissen und sonstigen Laborbefunden helfen uns, zusammen mit aktuell von uns erhobenen Befunden einen individuellen und umfassenden Behandlungsplan für Ihre Stute zu erstellen.

Weiterführende Untersuchungen

1. Gebärmutterspülprobe (Low-Volume-Lavage)

Die Low-Volume-Lavage hat die in der Stutengynäkologie standardmäßige Tupferprobenentnahme bei der Suche nach chronischen Gebärmutterentzündungen abgelöst. Es ist heute bekannt, daß Bakterien sich in der Gebärmutter als sogenannte Plaques (Bakterienhaufen) ansiedeln. Dies bedeutet, dass es unter Umständen stellenweise Areale auf der Gebärmutterschleimhaut gibt, die mit krankhaften Bakterien besiedelt sind, während andere Anteile der Gebärmutterschleimhaut nicht befallen sind.

Bei der bisher gängigen Tupferprobenentnahme wird unter Beachtung strengster Hygiene ein Tupfersystem durch den Muttermund der rossigen Stute eingeführt. Die von der Stute produzierten Genitalsekrete werden von dem Probenträger aufgenommen. Die gewonnene Probe wird in einem speziellen Nährmedium in das Labor zur Anzucht geschickt.

Bei der Low-Volume-Lavage werden 60 ml sterile Ringer-Laktat Lösung durch einen sterilen Katheter in die Gebärmutter der rossigen Stute gespült. Die Flüssigkeit wird mittels rektaler Massage in der Gebärmutter sorgfältig verteilt und danach in einem sterilen Probengefäß aufgefangen. Diese etwas aufwendigere diagnostische Methode hat den großen Vorteil, daß ein wesentlich größerer Teil der Gebärmutterschleimhaut mit dem Medium in Kontakt kommt als bei einer Tupferprobenentnahme. Daher ist die Wahrscheinlichkeit gerade für das Auffinden von plaquebildenden Bakterien höher. Die Low-Volume-Lavage ist der Tupferprobe an Sensitivität weit überlegen und wird z.B. bei Stuten mit chronischen Gebärmutterentzündungen oder bei negativen Tupferproben von klinisch auffälligen Stuten angewandt.

2. Entnahme von Zellmaterial aus der Gebärmutter (Zytologie)

Die Entnahme und Untersuchung von Zellmaterial stellt ein wichtiges diagnostisches Verfahren im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung bei Zuchtstuten und besonders bei Problemstuten dar. Mittels eines bedeckten Tupfersystems (Zytobrush) werden Zellen von der Oberfläche der Gebärmutterschleimhaut aufgenommen, auf einen Objektträger übertragen und entsprechend gefärbt. Durch die schnelle Verfügbarkeit des Ergebnisses kann beim Nachweis neutrophiler Granulozyten, die als Entzündungssymptom gelten, unmittelbar die Behandlung der Stute eingeleitet werden. Die Zytologie bietet eine wichtige Interpretationshilfe bei der Beurteilung unklarer oder negativer bakteriologischer Befunde mit dem Ziel, die richtige Therapie einzuleiten. Die Zytologie kann nicht die Ergebnisse einer bakteriologischen und mykologischen Untersuchung ersetzen, dafür ist das Vorliegen eines Resistenztestes unabdingbar.

3. Entnahme einer Gewebeprobe (Endometriumsbiopsie)

Die Entnahme einer oder mehrerer Gewebeproben aus der Gebärmutterschleimhaut gilt als zuverlässiges, risikoloses und aussagekräftiges Verfahren zur Diagnose und prognostischen Bewertung endometrial bedingter Fertilitätsstörungen bei der Stute. Die Probenentnahme im Uteruskörper oder den benachbarten Bereichen wird mit einer Biopsiezange durchgeführt und kann entweder blind oder unter visueller Kontrolle mit Hilfe des Endoskopes erfolgen, wobei evtl. vorliegende lokale Veränderungen des Endometriums sofort erkannt werden können. Die entnommene Gewebeprobe wird fixiert und zur histopathologischen Beurteilung in ein Fachlabor geschickt. Da degenerative Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut mit dem Alter der Stute zunehmen, sind diese bei älteren Zuchttieren als Normalbefund zu werten. Anhand unserer klinisch erhobenen Befunde und des Ergebnisses der Endometriumsbiopsie können wir eine prognostische Aussage über die zu erwartende Abfohlrate geben. Das Einsenden von Bioptaten zur bakteriologischen Untersuchung bringt oftmals, gerade bei Bakterien die sich tief in der Gebärmutterschleimhaut einnisten, das gewünschte positive Ergebnis.

4. Endoskopie der Gebärmutter (Hysteroskopie)

Die Hysteroskopie ist ein gynäkologisches Untersuchungsverfahren, welches die endoskopische Beurteilung der Gebärmutter erlaubt. Ein flexibles Endoskop wird erst in die Scheide und dann langsam durch den Muttermund der Stute eingeführt. Schon bei diesem Vorgang werden wichtige Informationen über die Beschaffenheit und evtl. Veränderungen der Schleimhaut des Scheidenvorhofes, sowie die Stellung, Form, Farbe und Integrität des Muttermundes gewonnen. Durch den Arbeitskanal des Endoskopes wird die Gebärmutter langsam mit Luft aufgefüllt; dies macht es erst möglich, die Gebärmutterschleimhaut zu beurteilen. Vorsichtig wird das Endoskop über den Uteruskörper in die beiden Schenkel der Uterushörner bis zur Mündung des Eileiters vorgeführt. Veränderungen in der Gebärmutterschleimhaut, wie Verklebungen oder Entzündungen, Uterustumoren (Polypen), Zysten, Lymphlakunen, Varizen, endometrial cups, Fremdkörper und Narbengewebe, aber auch Menge und Art von Sekret können mit dieser Untersuchungsmethode sicher dargestellt werden. Bei Auffälligkeiten kann unter Sichtkontrolle eine Biopsie entnommen werden. Die gesunde Gebärmutterschleimhaut wird durch Längs- und Querfalten in kleine, aneinanderliegende Schleimhautquader unterteilt; diese Einteilung ist für den aktiven Transport der Samenzellen in Richtung Eileiterpapillen notwendig.

5. Entfernen von Zysten

Ablation von Endometriumszysten mit Hilfe der Hochfrequenz-Elektrochirugie

Die Ausbildung von Zysten in der Gebärmutterschleimhaut der Stute ist immer ein Zeichen einer altersbedingt degenerativen Veränderung. Wann eine Gebärmutterschleimhaut anfängt zu altern, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Man unterscheidet verschiedene Arten von Zysten. Sie werden entweder durch Lymphlakunen oder durch starke Aussackungen (Dilatationen) einzelner Uterindrüsen gebildet. Je nach Größe, Form, Anzahl und Lage der Zysten kann es zu einer mechanischen Behinderung der Spermienwanderung nach der Besamung kommen wie auch zu einer Behinderung der Motilität des Konzeptus in der Frühphase der Trächtigkeit. Die Beweglichkeit des Konzeptus ist in dieser Phase besonders wichtig, da während dieser Zeit die maternale Früherkennung eine frühzeitige Auflösung des Gelbkörpers verhindert und die Einnistung der Fruchtanlage in der Gebärmutterschleimhaut ermöglicht. Auch nach erfolgreicher Implantation können große Ansammlungen von Zysten zu einer Minderversorgung des Fetus mit Nährstoffen, zum Abort oder zur Geburt von kleinen oder lebensschwachen Fohlen führen, da die Zystenwände keine vollständige und vollwertige Kontaktfläche zwischen Konzeptus und der versorgenden Gebärmutterschleimhaut ermöglichen.

Durch den Arbeitskanal des Videoendoskopes wird die Dissektionsschlinge des Elektrokoagulators bis zur Zyste vorgeschoben, dann vorsichtig um die Zyste gelegt, die dann thermisch zerstört wird.

6. Hormonanalysen

Der Sexualzyklus der Stute hat im Regelfall eine Dauer von 21 Tagen und wird durch ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Hormone gesteuert. Regelzentren für die Hormonproduktion sind das Gehirn und nachgeordnet Ovarien und Uterus. Wenn das biologische Gleichgewicht der Hormone gestört ist, kann es zu merklichen Veränderungen des Sexualzyklus kommen. Bei Zyklusauffälligkeiten werden Blutproben entnommen und gezielt auf bestimmte Hormone hin untersucht, wie z.B. Östradiol-17(beta), Progesteron, Testosteron, PMSG, Östronsulfat, Inhibin, und Anti-Müllerian Hormon. Die Hormonanalyse kann in einigen Fällen im Zusammenhang mit den klinisch erhobenen Befunden für die Diagnosestellung hilfreich sein.

7. Probe-Anpaarung mit anschließender Embryo-Spülung

Bei Stuten mit ungestörter Fruchtbarkeit kommt es nach der Besamung und Befruchtung bei ca. 8,5% der Stuten zu einem Absterben des Embryos vor dem Eintritt in die fetale Phase (=frühembryonaler Fruchttod). Hierbei kommt es am häufigsten zu Fruchtverlusten zwischen dem 6. und 11.Tag der Trächtigkeit. Für Problemstuten kann die Verlustrate bei bis zu 60% liegen. Ab Tag 12 der Trächtigkeit kann die Fruchtanlage mit Hilfe des endorektalen Ultraschalls sicher dargestellt werden. Die Ursachen für Störungen in der Embryonalentwicklung, die zu einem embryonalen Fruchttod führen, sind vielfältig. Zu den von der Stute ausgehenden Faktoren gehören u.a. entzündliche und altersbedingte Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, Laktation oder ein hohes Alter. Äußere Bedingungen wie jegliche Art von Stress, Mängel in der Fütterung, saisonal und klimatische Einflüsse sowie vom Hengst ausgehende Faktoren, wie Chromatinschäden bei Spermien oder auch chromosomale Unverträglichkeiten zwischen Hengst und Stute können ebenfalls zum Fruchttod führen. Als vom Embryo ausgehende Faktoren, die zum Absterben der Frucht führen können, sind chromosomale Aberrationen und genetische Defekte zu nennen. Um ursächliche Hinweise auf das Absterben des Konzeptus zu erhalten, kann die Stute experimentell mit einem bekannt fruchtbaren Hengst besamt werden, um dann 6,5 – 8 Tage später einen eventuell vorhandenen Embryo auszuspülen.