Künstliche Besamung – KB

Bei der künstlichen Besamung (KB) wird der Hengstsamen unter Beachtung strengster Hygiene mit Hilfe einer flexiblen Pipette in die Gebärmutter der Stute übertragen. Die KB ermöglicht, das genetische Material wertvoller Vatertiere sowie internationaler Sporthengste geographisch weit zu verbreiten. Das Risiko des Transports für Hengst oder Stute fällt dabei weg. Die Eindämmung des Infektionsrisikos im Vergleich zum Natursprung ist ein weiterer großer Vorteil.

Natursprung: Bei den Vollblütern noch immer die einzig erlaubte Art der Anpaarung, um das resultierende Fohlen durch die „International Federation of Horseracing Authorities“ im Zuchtbuch eintragen zu lassen. Aber auch in Schleswig Holstein decken noch einige Hengste im Natursprung: In der Islandpferdezucht ist das Decken im Herdenverband üblich, in allen anderen Zuchtverbänden decken die weniger frequentierten Vatertiere an der Hand. Die Anzahl der Bedeckungen pro Tag ist natürlicherweise durch die Spermaqualität und Auslastung des Hengstes begrenzt. Eine 50-60%ige Trächtigkeitsrate pro Zyklus ist durchschnittlich zu erwarten, wobei ca. 90% der gedeckten Stuten am Ende der Saison tragend sind, von denen aber nur etwa 80% im darauffolgenden Jahr abfohlen. Die Differenz von 10% lässt sich möglicherweise durch Fruchtverlust nach dem 42. Tag der Trächtigkeit erklären.

Frischsamen: Unverdünnter Samen, der innerhalb von 10-30 min nach der Gewinnung versamt wird.

Kühlsamen: Mit speziellen Verdünnermedien aufgearbeiteter, gekühlt versandter Samen. Der Samen ist mindestens 48 Stunden befruchtungsfähig. Dieses Verfahren ermöglicht den innerdeutschen oder auch innereuropäischen Versand von Hengstsamen. Wenn frischer oder qualitativ hochwertiger, gekühlter Samen in Form der künstlichen Besamung (KB) zur Anwendung kommt, sind im Vergleich zum Natursprung geringfügig höhere Trächtigkeitsraten (65 - 85%) zu erwarten. Normalerweise erfordert es 1-2 Zyklen, um eine Stute tragend zu bekommen. 

Gefriersamen: Eine spezielle Aufarbeitungstechnik von Hengstsamen, die über den Einsatz verschiedener Medien und Gefrierschutzmittel eine nahezu unbegrenzte Lagerdauer des Samens unter flüssigem Stickstoff bei -196°C ermöglicht. Allerdings muß eine ununterbrochene Kühlkette gewährleistet sein, um die Qualität des gelagerten Samens nicht negativ zu beeinflussen. Die Fruchtbarkeit von Tiefgefriersamen ist in Abhängigkeit von der Eignung des jeweiligen Hengstes für die TG-Samen-Produktion sehr variabel. Da aber bestimmte Mindestauftauraten in punkto Beweglichkeit standardmäßig gefordert sind, kann mit einer Trächtigkeitsrate zwischen 40-60% pro Rossezyklus gerechnet werden. Normalerweise nimmt Ihre Stute nach 2-3 Zyklen auf. Die Lebensspanne von Tiefgefriersamen liegt nach dem Auftauen zwischen 6 und 12 Stunden. Um sicher zu gehen, dass Ihre Stute eisprungnah besamt wird, ist die endorektale Ultraschalluntersuchung ihrer Stute in wesentlich kürzeren Zeitabständen notwendig - wenn nötig, auch über Nacht. Jede Samendosis wird vor der Besamung von uns vor Ort mikroskopisch auf ihre Qualität überprüft.

Endoskopische Besamung: Bei der herkömmlichen Besamung mit TG-Sperma wird ein flexibler Besamungskatheter unter manuell-rektaler Kontrolle blind bis in die Spitze des follikelnahen Gebärmutterhorns und damit nah an die Eileitermündung geschoben. Bei der endoskopischen Besamung hingegen wird der Samen unter Sichtkontrolle direkt auf der Mündung des Eileiters abgesetzt. Diese Methode eignet sich vor allem für Hengste mit eingeschränkter Samenverfügbarkeit, bei subfertilen Sperma oder sehr wertvollem TG-Sperma toter Hengste.

Trächtigkeitsuntersuchungen

Die Befruchtung der Eizelle findet nach der Besamung im Eileiter der Stute statt. Nach ca. 6,5 Tagen steigt die befruchtete Eizelle (=Embryo) aus dem Eileiter in die Gebärmutter der Stute ab. Frühestens 12 Tage nach der Ovulation sind 98% der Embryonen (Embryonendurchmesser: 10-12 mm) mit Hilfe des endorektalen Ultraschalls darstellbar. 

Es ist von größter Wichtigkeit, die tragende Stute mehrfach zu untersuchen, um im Falle eines Fruchtverlustes genau terminieren zu können, in welchem Trächtigkeitsstadium der Fruchtverlust erfolgte. Dies liefert dem Tierarzt wichtige Informationen für das Management zukünftiger Trächtigkeiten.

Wir empfehlen Trächtigkeitsuntersuchungen, gerechnet vom Zeitpunkt nach dem Eisprung in folgenden Zeitabschnitten:

14. – 16. Tage nach der Ovulation

Die Erstuntersuchung ist von extremer Wichtigkeit, da im Falle einer Doppelovulation auf das Vorhandensein einer Zwillingsträchtigkeit untersucht werden muss. Je früher Zwillinge erkannt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die manuelle Intervention erfolgreich ist. Wir empfehlen generell eine Untersuchung am Tag 15 und geben Ihnen schriftlich eine Erinnerung mit an die Hand. Im Falle einer Nicht-Trächtigkeit gibt die Uterusstruktur Aufschluss über eventuelle Infektion.

26. – 30. Tag nach der Ovulation

Fixation und Orientierung des Embryos ist erfolgt, ein embryonaler Herzschlag ist zu erkennen und die Versorgung des Embryos erfolgt über proteinreiche Ausscheidungen der Gebärmutterschleimhaut und über den Dottersack. Die Ausbildung der Nabelschnur erfolgt ab dem 22. Tag der Trächtigkeit.

42. – 46. Tag nach der Ovulation

Ab dem 40. Tag beginnt der fließende Übergang der embryonalen in die fetale Entwicklungsphase. Die Darstellung einer vollentwickelten Nabelschnur im Rahmen der endorektalen Ultraschalluntersuchung am Tag 42 kennzeichnet die erfolgreiche Versorgung des Fetus über die Plazenta. 

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass 32% der Fruchtverluste bei der Stute zwischen dem 12. und 30. Tag der Trächtigkeit erfolgen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Nach dem 42. Tag sinkt die statistisch gemittelte Zahl der Fruchtverluste unter 8%. Falls es zu einem Fruchtverlust zwischen dem 35. und 120. Tag der Trächtigkeit kommt, der durch Verzicht auf die Untersuchung am Tag 42 unentdeckt bleibt, kann es passieren, dass die Stute nicht wieder rossig wird und somit auch nicht positiv auf einen „Abprobierhengst“ reagieren wird. Um sicher zu gehen, dass alle gedeckten Stuten auch wirklich tragend in den Winter gehen, sollten sich im Herbst routinemäßig eine weitere Untersuchung anschließen. Wir empfehlen bei den güst gebliebenen Stuten weiterführende Untersuchungen noch im Herbst einzuleiten, um in der neuen Zuchtsaison basierend auf den Untersuchungsbefunden früh anzufangen zu können.